Es war einmal...
Bereits im 8. Jahrhundert stand an der Stelle des jetzigen Schlosses eine Wasserburg; wer den Main durch eine hier befindliche Furt überqueren wollte, hatte vorher in der Burg seinen Zoll zu entrichten.
Auf dem uralten Keller dieser Zollburg wurde 1452 das jetzige Schloss als Wasserschloss errichtet. 1659 wurde umfangreich um und umgebaut – hier erhielt das Schloss seine heutige Gestalt mit dem markanten Frackdach zur Schlosshofseite.
Wir betreten das Schloss durch eine hohe Halle im Erdgeschoss.
Eine umfangreiche Ausstattung an Treppen, Brettbalustern, Rahmenstuckdecken, Bodenbelägen und Türen aus dem 18. und 19. Jahrhundert haben sich erhalten.
Ans Schloss grenzt ein massives, nicht denkmalgeschütztes Seitengebäude (alte Holzlege) an.
Durch den Anbau gelangt man in den großen Gewölbekeller sowie auf die hinter dem Haus befindliche balusterbewehrte Terrasse und den großzügigen Garten.
Begrenzt wird er Garten nach Westen durch den, als Einzeldenkmal geführten Wehrgraben der ehemaligen Wasserburg.
(Quelle: Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, Eigentümer Bimüller/Hückmann)
Impressionen von Drinnen und Draußen
Schloss Gerlachshausen hat eine lange Geschichte. Wir haben Ihnen einige Bilder zusammengestellt, um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, wie es im "Schlössle" und dem Areal rund um das Gebäude aussieht und wie der Umbau und die Renovierungen vorangehen.
Ein kleines Glück gegen Ende des Krieges
Als Kinder von Saarbrücken ins Schloss Gerlachshausen evakuiert
von Uwe Hückmann (Besitzer Schloss Gerlachshausen)
Renate (87) und ihre Schwester Annemarie (88) zogen im August 1944 mit ihrer Schwester Hannelore und ihrer Mutter Anni Schneider von Saarbrücken nach Gerlachshausen. Untergebracht wurden sie in zwei kleinen Zimmern bei Frau Metzger im Schloss. Saarbrücken wurde größtenteils evakuiert, da man schwere Luftangriffe auf die Stadt erwartete. Diese Entscheidung erwies sich als richtig, denn der schwerste britische Luftangriff auf Saarbrücken erfolgte am 5. Oktober 1944.
Die Schwestern wurden mit ihrer Mutter herzlich aufgenommen; die freundliche Anna Metzger (1907-2005) fütterte die 4 mit durch – die dafür natürlich auf dem Metzgerschen Bauernhofes tüchtig mitarbeiten mussten; das Schloss war damals ein ansehnlicher Bauernhof mit vielen Nebengebäuden.
Der Ehemann Bernhard Josef Metzger war, wie beinahe alle wehrfähigen Männer, bereits seit 1939 Soldat und so war zuhause jede helfende Hand willkommen. Unbeschwert waren die Jahre in Gerlachshausen – zur Schule ging es nach Münsterschwarzach und auch sonst fühlten sich die Mädchen in der großen Gerlachshäuser Kinderschar wohl. Unvergessen als die Schwestern mit ihrer Mutter, kurz vor Kriegsende, auf dem Feld in Schlossnähe arbeiteten, landete ein deutscher Fallschirmjäger mitten unter ihnen. Sie versteckten den Soldaten mit seinem Fallschirm kurzerhand im Schlosskeller. Der Soldat überlebte den Krieg und kehrte unversehrt heim; die Fallschirmseide wurde von Mutter Schneider in schöne Kleider für die Kinder verarbeitet!
Auch den Einzug der Amerikaner erlebten die Saarbrückerinnen im Schloss Gerlachshausen. Aus den Fenstern hatte man weiße Bettlaken gehängt um die friedliche Absicht kund zu tun. Die amerikanischen Soldaten erlebten die Schwestern als freundlich und Süßigkeiten verteilend. Mitte 1946 war die Wohnung in Saarbrücken repariert und die Familie kehrte wehmütig nach Hause zurück; der Kontakt zur Familie Metzger blieb jedoch bestehen und der Urlaub meist im Schloss Gerlachshausen verbracht.
Staunend betrachteten die Damen zusammen mit Frau Metzgers Söhnen Georg und Manfred, was die jetzigen Schlossbesitzer Gabriela Bimüller und Uwe Hückmann aus „ihrem“ Schloss gemacht haben und versprachen, bald wiederzukommen.
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